Requiem für einen Spion

Schwarze Komödie von George Tabori - Deutsch von Ursula Grützmacher-Tabori

Drei ehemalige britische Geheimdienstler aus dem Zweiten Weltkrieg treffen sich nach Jahrzehnten in einer Londoner Tiefgarage, die ihnen einst als Nazi-Bekämpfungs-Zentrale diente: Major Brian Murdoch (früherer Führungsoffizier, jetzt angeblich Psychiater an der Landesanstalt für senile Sexualstraftäter), der Jude Heinrich Zucker (Codename „Sweet“) und die „Weiße Rose“ Maggie (frühere Geliebte beider Männer). Zucker, der seine Biografie schreiben möchte, will seine Gedächtnislücken füllen und mit den beiden anderen einige Ungereimtheiten der gemeinsamen Vergangenheit aufklären: Warum z. B. hat Murdoch, der die Agenten beim Feind einschleuste, Zucker nicht eingesetzt? Oder: Wer hat Maggie damals an die Nazis verraten? In drei Akten voll grotesk-komischer Sketche und Rollenspiele geht es um die Frage nach Wahrheit, Schuld, Verrat und Verantwortung, aber auch um Liebe, Leben und Tod im Allgemeinen und Besonderen.

Welcher Autor darf so mit dem Horror des Holocaust scherzen? Nur einer: George Tabori (1914-2007) – Jude, Nazi-Verfolgter und unbeirrbarer Grenzgänger zwischen Grauen und Grinsen. 30 Theaterstücke hat er geschrieben, surrealistische Dramen, die das Publikum auffordern, über Dinge wenigstens zu lachen, wenn man über sie schon nicht weinen kann. „Requiem für einen Spion“ ist alles gleichzeitig: Ein Lebens-Abgesang, ein Jux und eine Klage im Gewand eines Kalauers.

Luc Feit gastierte zuletzt mit Yasmina Rezas „ ‚Kunst‘ “ im Stadttheater, gemeinsam mit Steve Karier erlebten wir ihn in der herausragenden Inszenierung „Rose Bernd“ im Dezember 2015.