Die Physiker

Schauspiel in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt

Im Schweizer Sanatorium "Les Cerisiers" werden zwei Krankenschwestern ermordet, angeblich erdrosselt von ihren Patienten. Auf den ersten Blick erscheinen diese durchaus harmlos: der eine hält sich für Albert Einstein, der andere für Sir Isaac Newton und dem dritten - Johann Wilhelm Möbius - erscheint der König Salomon. Doch unter den Augen des mit dem Fall betrauten Inspektors Voß offenbart sich immer deutlicher, dass hier nichts so ist, wie es scheint. Möbius zum Beispiel ist nicht etwa ein "Irrer" sondern ein brillanter Physiker, der die "Weltformel" entdeckt hat. Weil aber deren Anwendung katastrophale Folgen für die Menschen haben würde, versteckt er sich im Irrenhaus, in der Hoffnung, sein Wissen vor der Welt zu verheimlichen. Doch wie lange kann einmal Gedachtes tatsächlich verborgen bleiben?

Dürrenmatt schrieb das von ihm selbst als "Komödie" untertitelte Stück im Jahr 1961, als die Nukleartechnik noch jung war und der Kalte Krieg auf einen gefährlichen Höhepunkt zusteuerte. Zum ersten Mal entstand zu dieser Zeit ein Bewusstsein dafür, dass von nun an das Ende der Welt in der Hand des Menschen selbst liegen könnte, sei es als mögliche Folge einer aktiven Handlung oder als Folge eines Kontrollverlustes über die eigene Technik. So zeichnet Dürrenmatts Schauspiel den Menschen als Wesen voller Mängel, konfrontiert mit einer sich fortwährend technisierenden Welt, die längst zu komplex geworden ist, als dass sie von uns noch begreifbar wäre. Ein halbes Jahrhundert später ist die Technik noch weiter fortgeschritten, die Welt hat sich rasend schnell verändert - und die düstere Vision Friedrich Dürrenmatts hat nichts von ihrer Aktualität verloren.