Der letzte der feurigen Liebhaber

Komödie von Neil Simon

Barney Cashmans erotische Erfahrungen beschränken sich nahezu ausschließlich auf eine monogame, bislang 23-jährige Ehe mit seiner grundanständigen Highschool-Freundin Helma. Jetzt, im Alter von 47 Jahren, möchte der Familienvater und Besitzer eines New Yorker Fischrestaurants endlich seinen Horizont erweitern und – ist es Torschlusspanik oder männliche Emanzipation? – einmal im Leben etwas Aufregendes erleben. Doch das ist leichter gesagt als getan! Möglicherweise ist der Schauplatz der von ihm geplanten Seitensprünge ungünstig gewählt – entschließt sich Barney doch, die Wohnung seiner penibel ordentlichen Mutter zu nutzen, während die ahnungslose ältere Dame für ein paar Stunden außer Hause weilt. Möglicherweise liegt es aber auch an Barneys zugegebenermaßen unglücklichen Damenwahl – zur Auswahl stehen: die Affären-gestählte Elaine, die neurotische Schauspielerin Bobbi und Helmas abgrundtief deprimierte Freundin Jeanette – dass Barney nicht so recht zum Zuge kommt. Wer weiß? Jedenfalls erleben wir als Zuschauer einen linkischen Verführungsversuch nach dem anderen und amüsieren uns prächtig über Barneys grandioses Scheitern als wirklich allerletzter der feurigen Liebhaber.
Die vielgespielte, intelligente und spitzzüngige Komödie, 1969 in New York uraufgeführt, begeistert heute wie damals durch aberwitzige Dialoge, Situationskomik und genau jene Prise menschlicher Tragik, die einer wirklich guten Komödie zugrunde liegen muss.
Martin Lindow war nach der Tournee-Premiere „Fettes Schwein“ (ausgezeichnet mit einem 3. INTHEGA-Preis) zuletzt mit der Kino-Adaption „Der Vorname“ zu Gast in Amberg – ebenfalls inszeniert von Regie-Legende Ulrich Stark.